Martin Oetting von TRND zu Mundpropaganda, viralem Marketing und Enterprise 2.0

Hier ein sehr interessantes Gespräch zwischen Steffen Büschel und Martin Oetting.

Dresden Future Talks Nr2 Martin Oetting von TRND

Martin Oetting ist Forscher für Mundpropaganda und Gesellschafter bei TRND.

Thema 1: Märkte sind Konversation

Was das Cluetrain Manifest (deutsche Version / englische Version) 1990 schon angedeutet hat, hat bei Konzernen noch nicht so sehr viel bewirkt.

Bei der ganzen Massenkommunikation ist es immer nur wichtig in eine Richtung eine große Zahl an Botschaften rauszuhauen, damit möglichst viele Leute von etwas erfahren. Das ganze hat sich ja auch als recht effizient rausgestellt; Martin Oetting nennt es den Werbekommunikationskomplex aus Agenturen, Werben usw. die einen „durchgestylten Prozess“ schaffen, um Botschaften zu verbreiten. Und genau das ist es, was die Unternehmen auch wollen: Sie setzen auf diese klassischen Medien, weil sie Ergebnisse sehen wollen und die sehen sie in Zahlen.

Die meisten tun sich schwer jetzt in eine neue Richtung zu denken. „Der Tante Emma Laden und so, natürlich, die kann sich noch darum kümmern was ihre Kunden interessiert und mit denen reden, aber wir in diesem riesigen Konzern doch nicht“ (Martin Oetting).

Thema 2: Enterprise 2.0

Enterprise 2.0 ist ein Thema über das immer noch hitzig diskutiert wird, eine allgemein taugliche Definition gibt es scheinbar noch nicht. Der Begriff wurde von Andrew McAfee, Professor an der Harvard Business School, geprägt. Er hat einen Artikel darüber geschrieben: „Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration“. Hier findet man diese Definition: „There is a new wave of business communication tools including blogs, wikis and group messaging software — which the author has dubbed, collectively, Enterprise 2.0 — that allow for more spontaneous, knowledge-based collaboration.“

Hat Enterprise 2.0 in Unternehmen Potential?

Die Mitarbeiter über einen Dialogprozess in die wichtigen Themen und Entscheidungsprozesse des Unternehmens einzubinden kann laut Martin Oetting sehr wertvoll sein. Mitarbeiter sind dadurch auch verpflichtet sind sich mit dem Dialog auseinander zu setzten. Und wenn dann auch noch tausende von Kunden im Netz kommunizieren, dann muss auch das Unternehmen dazu adäquat antworten und dazu braucht man alle seine Mitarbeiter, sonst ist das ganze ja nicht zu bewältigen. Und genau hier ist der Punkt, vor dem so viele Unternehmen wahrscheinlich Angst haben. Sie fürchten, das ihre Mitarbeiter Fehler machen und das nach außen. Aber wenn ein Unternehmen das ganze Prinzip verstanden hat, und es umsetzten will, gehört dazu natürlich die Arbeit, die Mitarbeiter darauf vorzubereiten.

Thema 3: Mundpropaganda

Darunter wird oft „Viralen Werbeansätze“ verstanden: Werbung viral verbreiten. Das ist aber nicht der Ansatz den TRND verfolgt. Sie wollen die Marke und das Produkt selbst zum Gesprächsthema machen und nicht den Spot oder die Werbung. Sie arbeiteten mit Fans, mit Leuten die Lust haben sich mit dem Produkt auseinander zu setzten, die es testen. Sie nehmen ihr Feedback auf und schaffen so einen intensiven Dialog. Denn genau dafür steht TRND ja auch: „The Real Network Dialog“.

Sowas kann sich Martin Oetting auch innerhalb eines Unternehmens vorstellen, in dem interne und externe Kommunikation verschmelzen. Mitarbeiter zu Fans machen, die sich dann für die Marke oder das Produkt ins Zeug legen, die Ansprechpartner nach außen sind und Dialoge führen. Üblicher Weise wird ja alles das nach außen gezeigt wird „poliert und durchgestylt“, aber heute wissen doch alle, dass kein Unternehmen perfekt ist, weil dahinter Menschen stecken und alle Menschen machen Fehler. Und hier sagt Martin Oetting etwas, bei dem sicher nicht nur ich ihm vollkommen zustimme, nämlich, dass Kommunikation durch die Mitarbeiter – Mitarbeiter als Sprachrohr – eine viel glaubwürdigere und spannender Kommunikation ist!

Eine Antwort schreiben