Schach und die wundersame Kundenvermehrung (Mundpropaganda & Virales Marketing)

Mai 22, 2008

Ich lese gerade in einem weiteren Buch zu meinem Thema virales Marketing und bin dabei auf folgende schöne Geschichte gestoßen. Sie handelt von der Exponentialkurve und wie sie funktioniert!

Das Buch heißt „Hinter jedem Menschen steckt ein Netz“, von Stephan Magnus. Viel Spaß dabei, ich war „very amused“ :)

Schach und die wundersame Kundenvermehrung

Einem weisen Mann drohte die Hinrichtung. Er hatte leichtfertig behauptet, ein König könne ohne sein Volk keinen Sieg erringen. Darüber war der König >>not amused<< und gab dem Weisen eine Nacht Zeit, um seine Worte zu beweisen. Oder er würde auf die damals üblichen unterhaltsamen Arten vom Leben zum Tode befördert.

Der Weise entzog sich dieser Spielart des Entertainments indem er dem König das von ihm erfundene Schachbrett präsentierte, ein Spiel, bei dem der König eben nicht ohne sein Volk gewinnen konnte. Das hinterließ einen bleibenden Eindruck und der Weise durfte sich eine Belohnung wünschen. Er verzichtete auf die offensichtlichen Verlockungen und wünschte sich stattdessen Weizenkörner auf dem Schachbrett, beginnen mit einem auf dem ersten Feld, und die Anzahl auf dem jeweils nächsten Feld immer verdoppelnd: 1 Weizenkorn, 2 Weizenkörner, 4 Weizenkörner usw. für alle 64 Felder des Schachbretts. Der König akzeptierte, nur um später schmerzlich zu erfahren, dass weder die Ernte seines Königreiches, noch die der ganzen Welt ausreichen würde, diese Bedingung zu erfüllen.

Die exponentielle Struktur zeigte eben auch auf dem Schachbrett seine Wirkung. Langsam, aber drastisch. Ist der Weizenlieferant in der ersten Reihe am Ende noch mit 128 Weizenkörnern beruhigt, schlägt seine Stimmung mit weiterer Entwicklung bald in Panik um:

Auf dem 64. Feld sind es schließlich 9.223.372.036.854.775.808 Weizenkörner. Gelesen: neuen Trillionen zweihundertdreiundzwanzig Billiarden dreihundertzweiundsiebzig Billionen sechsunddreißig Milliarden achthundertvierundfünfzig Millionen siebenhundertfünfundsiebzig Tausend achthundertundacht Weizenkörner.

Ob es besonders weise war, den König auf diese Art vorzuführen, statt einfach ein paar Edelsteine, Weinfässer und Konkubinen zu wünschen, ist nicht überliefert. Der Chefcontroller rächte sich jedenfalls mit dem Vorschlag, der Weise solle seine Belohnung abholen, aber bitte jedes Weizenkorn abzählen!